Otto Wagner und Ernst Fuchs – Highlights im Stadtbild von Wien

Auf den Spuren von Otto Wagner und Ernst Fuchs

Meine architektonischen Streifzüge führen diesmal zu zwei sehr bedeutenden und außergewöhnlichen Persönlichkeiten, die sowohl das Wiener Stadtbild, als auch die Kunst und Kultur mit ihren Visionen sehr nachhaltig prägten. Die beispielhafte Ästhetik ihrer Werke hat und wird noch zahlreichen Besuchern von Wien den Atem rauben und sie in ihren Bann ziehen.

Die Otto-Wagner-Villa

Im Jahre 1888 baute Wiens berühmtester Jugendstil-Architekt Otto Wagner in Hütteldorf,  einem damaligen Wiener Vorort, ein prunkvolles Sommerpalais als Familiensitz. Unverkennbar an der, ganz im Stil des Historismus gehaltenen, Residenz, sind die Züge Palladinos, Wagners Lieblingsarchitekten. Schon während der Erbauung erregte Wagners Projekt, das er auf einigen europäischen Wettbewerben präsentierte, internationales Aufsehen.
Der durch eine stattliche Freitreppe zugängliche Bau zeigt, völlig abweichend von der gewohnten Erscheinung ähnlicher Bauten, bei der Vorderansicht nur eine offene Halle zwischen zwei Flügelbauten. Der rechte Seitenflügel, die Orangerie wurde 1895 mit Glasfenstern als nunmehriger Billard-Salon winterfest gemacht. Der linke Seitenflügel wurde 1900 umgebaut und vom Architekten Otto Wagner zum schönsten bis heute erhaltenen Jugenstil-Saal Wiens gestaltet. Bekannt  ist er jetzt als “Adolf-Böhm-Saal”, benannt nach dem heute leider ziemlich in Vergessenheit geratenen Künstlerfreund Wagners, der die prachtvollen großflächigen und in allen Details erhaltenen Tiffany-Glasfenster gestaltete.
Hier traf sich die elegante Wiener Gesellschaft, allen voran Künstler wie Gustav Klimt, Adolf Loos, Gustav Mahler, Alma Mahler-Werfel, Josef Hoffmann, einer der Schüler Otto Wagners und zahlreiche andere. Die Villa diente dem Erbauer bis 1911 als Repräsentationshaus. 1912 verkaufte Otto Wagner das Prachtgebäude an den Direktor des Wiener Aopllo-, und Ronacher-Revue-Theaters Ben Tiber. Auch er war als reicher Investor für weiterhin dort stattfindende legendäre Feste bekannt. Mitte der 30-iger Jahre emigrierte Tiber auf der Flucht vor den Nationalsozialisten ins Ausland, die Villa wurde enteignet, während des 2. Weltkrieges zu einer Büro-Zentrale für Baldur von Schirach umfunktioniert und letztendlich nach Kriegsende ein Spekulationsobjekt, das demoliert wurde.
Der märchenhafte Zauber, der sie umgab verwehte allerdings nie und 1962 schrieb dort der österreichische Dichter Heimito von Doderer seinen letzten Roman “Grenzwald”.
Otto Wagner gilt als der bekannteste Jugendstil-Architekt Wiens und auch zahlreiche öffentliche Gebäude, wie die Wiener Stadtbahn, die Kirche am Steinhof und die Postsparkasse wurden von ihm entworfen. Die Dankbarkeit Wiens an seine großen Geister, findet sich auf dem damaligen 500-Schilling-Geldschein, der das Porträt Otto Wagners trug. Otto Koloman Wagner (1841 – 1918) war der bedeutendste österreichische Architekt, Architekturtheoretiker und Stadtplaner Wiens in der Belle Epoque.

Das heutige Ernst-Fuchs-Museum

Daß dieses wertvolle Architekturdenkmal nicht verloren ging, verdankt die Otto-Wagner-Villa ihrem letzten Besitzer, dem 1930 als einziges Kind von Leopoldine und Maximilian Fuchs geborenen, späteren Zeichner, Maler, Bildhauer und Architekten, dem “Heros Eponymus” Ernst Fuchs.
Der verlassene Villa wurde von dem damaligen Kind aus ärmlichen Verhältnissen entdeckt. In kindlichem Überschwang versprach der 12-jährige Knabe seiner Mutter das Haus zu kaufen, wenn er einst ein reicher berühmter Maler geworden wäre. Und er hielt Wort. Es dauerte 30 Jahre, in denen er das verwunschene Märchenschloß im Auge behielt, bis er es 1972 aus eigenen Mitteln erwerben konnte. Schon in den 60-iger Jahren veranlaßte Fuchs  zusammen mit den Malerkollegen Friedensreich Hundertwasser und Arnulf Rainer eine Aktion zur Rettung der Villa, die jedoch keine Unterstützung fand. Erst nach dem Erwerb der Liegenschaft, die dadurch vor dem Abbruch gerettet wurde, begann Ernst Fuchs diese nach besten bautechnischen und kunsthandwerklichen Plänen zu restaurieren und sanieren.  Vom ursprünglichen Interieur war nichts mehr erhalten geblieben und Fuchs gestaltete und ergänzte Möbel, Tapeten und Türgriffe nach eigenen Entwürfen. Nach zwei Jahren sind die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen und eines der schönsten Ateliers in Europa öffnet mit selbstdesignten Möbeln, Skulpturen, Lustern, Tapeten und Gemälden, seine Türen. Der legendäre Begründer der “Wiener Schule des Phantastischen Realismus”, benutzte die nunmehr “Fuchs-Villa” genannte Liegenschaft bis 1986 als Atelier. Ganz im Stil ihres ursprünglichen Erbauers Otto Wagner, gaben sich auch bei Ernst Fuchs berühmte Persönlichkeiten wie Placido Domingo, Edward Teller, Oskar Werner, Falco, Grace Kelly, Curd Jürgens und Yoko Ono ein Stelldichein.
1988, hundert Jahre nach ihrer Erbauung, wurde das Ernst-Fuchs-Museum eröffnet und die Otto-Wagner-Villa öffnete ihre Pforten für Besucher aus aller Welt. Damit erfüllte sich Ernst Fuchs einen Lebenstraum.
Auch sein Musterbau, das “Nymphäum Omega”, ein Brunnenhaus mit einem riesigen Madonnenfenster im Innenraum, das von den 12 goldenen Engeln der Apokalypse geziert ist, kann im Park der Villa bewundert werden.  

Stil-Ikone Ernst Fuchs

Nach Kriegsende, im Jahr 1945 inskribierte Ernst Fuchs, dem aus rassistischen Gründen der Besuch eines Gymnasiums verwehrt wurde, im Fach Malerei an der Wiener Akademie der Bildenden Künste.  Als seine großen Vorbilder nennt Fuchs Gustav Klimt, Egon Schiele, Pablo Picasso und Max Ernst. Einer der ersten der Ernst Fuchs’s Talent erntdeckte und förderte war sein Professor Albert Paris von Gütersloh. Daraus ging 1948 die Gründung der “Wiener Schule des Phantastischen Realismus” zusammen mit Arik Brauer, Rudolf Hauser, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden hervor. Der Universalkünstler aus Wien erreichte Weltruhm als Maler, Grafiker, Bildhauer, Designer, Bühnenbildner, Architekt, Komponist und Dichter. Zeit seines Lebens schuf er eine gigantische Anzahl an Radierungen, Ölgemälden, Aquarellen, Kleinplastiken, Reliefs, sowie lebens- und überlebensgroßen Skulpturen. Ebenso bekannt wie seine Werke war auch sein unkonventioneller Lebensstil. Von bitterster Armut bis zu ungeheurem Reichtum blieb dem charismatischen Künstler nichts fremd. Sein Käppi definierte ihn schon in den 60-iger Jahren und auf sein aus dieser Zeit stammenden Familienauto, einen kleinen Puch Fiat folgte in den 70-igern ein von ihm selbst mit Intarsien ausgestatteter goldener Rolls Royce in XL-Größe als weiteres Ernst-Fuchs-Markenzeichen.

Meisterzeichnungen” aus 7 Jahrzehnten

  Eine der letzten Vernissagen mit Prof. Ernst Fuchs fand im Juni 2014 in der Galerie Klasan statt
Dr. Cornelia Mensdorff-Pouilly, die langjährige Muse und Managerin des Künstlers und Christian Klasan präsentierten mit den ausgestellten Werken die ungeheure Ausdruckskraft, lodernde Phantasie und außergewöhnliche handwerkliche Präzision von Prof. Ernst Fuchs. Von chaotisch bis harmonisch, realistisch bis surrealistisch, konkret bis abstrakt spannt sich die künstlerische Ausdruckskraft des außergewöhnlichen Malers, der mit seinen Werken die zeitgenössische Kunst Österreichs prägte, wie kaum ein anderer. Die Ausdruckskraft und der Zauber von Ernst Fuchs berührte jeden, der mit ihm in Kontakt stand. So bezeichnete ihn Marcel Brion als “Chronisten unbekannter Welten” und “Visionär der durch Dinge hindurchsieht”.  Der Vernissage in der Galerie Klasan war leider auch für mich die letzte Begegnung mit dem charismatischen und außergewöhnlichen Mann. Ernst Fuchs starb am 9. November 2015 in Wien. Wie auch immer man diese schillernde Persönlichkeit betrachten mag, er drückte seinen Stempel in die Stadt der Schönheit, diesem Schmelztigel aus mannigfaltigen Kulturrichtungen  und Stilen. In Wien treffen die Ströme aus allen Richtungen zu einer überbordenden einzigartigen Symphonie zusammen, die alles mit einschließt. Dies inkludiert auch Musen, Modelle und Geliebte. Immerhin war Ernst Fuchs mit 7 Frauen verheiratet und zeugte 16 Kinder. Sein zweiter Sohn aus erster Ehe Daniel Friedemann, schuf die Büste seines Vaters, die an der Außenfront des Ernst-Fuchs-Museums zu bewundern ist. Schon Carl Michael Ziehrer schrieb in einem seiner Walzer:“Hast du die Stadt gesehn, findest du alles schön und liebst das ganze Wien und die Wienerin” SH Merken Merken Merken Merken Merken

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